Pneumonie – ein Highlight des Internisten

Die Pneumonie ist unverändert eines der „Highlights des Internisten“: sie ist häufig, sie ist mit relevanter Morbidität und Mortalität assoziiert und sowohl Diagnose und Behandlung sind mit einigen Unsicherheiten behaftet.

We hope that clinicians and researchers will find this guideline useful, but the recommendations included here do not obviate the need for clinical assessment and knowledge to ensure each individual patient receives appropriate and timely care.“


Metlay JP, Am J Respir Crit Care Med 2019

Die amerikanische Thoraxgesellschaft ATS – bekannt für viele hilfreiche Richtlinien (https://www.thoracic.org/statements) – hat auch hier ein wichtiges Papier für den klinischen Alltag erstellt. Manche statements haben zwar eine amerikanische Färbung (Stichwort: MRSA), vieles aber ist anhand von Fragestellungen und Evidenzlage konzis zusammengefasst. Das Wichtigste in Kürze hier. 

1.     Sputum- und Blutkulturen: werden bei generell tiefem diagnostischem yield und meist fehlenden therapeutischen Konsequenzen immer noch viel zu häufig abgenommen. Empfohlen bei schwerer Erkrankung und vorgängigem Nachweis von respiratorischen Problemkeimen (P. aeruginosa)

2.     Legionellen- und Pneumokokkenantigene: eine routinemässige Bestimmung wird ebenfalls nicht empfohlen. Bitte beachten: die entsprechende Bestimmung ist wenig kosteneffektiv und – was das Pneumokokkenantigen betrifft – bei etablierter antibiotischer Therapie zumeist ohne Konsequenz

3.     Das Procalcitonin hat für Diagnose und Festlegung der Therapiedauer keinen Stellenwert

4.     Nach zwischenzeitlich positiven Signalen ist der zusätzliche Einsatz von Kortikosteroiden wieder kontrovers und bleibt in der Regel den hochentzündlichen, IPS-pflichtigen Patienten vorbehalten

5.     Das Konzept der healthcare-assoziierten Pneumonie (HAP) ist jetzt auch in dieser Richtlinie verschwunden. Auf den entsprechenden Begriff und seine bisherigen therapeutischen Implikationen ist künftig zu verzichten

6.     In der Grippesaison sollte eine Influenza-Infektion gesucht und – vermutlich auch bei Patienten, die sich >48h nach Symptombeginn vorstellen – eine antivirale Therapie begonnen werden

7.     Die Antibiotikadauer richtet sich nach dem klinischen Ansprechen: bei den meisten Patienten genügt eine Therapiedauer von 5 Tagen. Die Daten für einen noch kürzeren Einsatz sind spärlich

8.     Auf ein Verlaufsröntgen kann bei gutem Ansprechen verzichtet werden. please remind: Wenn eine Verlaufsbildgebung dennoch indiziert scheint (zB Malignomverdacht) ist die Dauer zur kompletten radiologischen Resolution 4-8 Wochen. 

Und zum Schluss – mit Verweis auf die Limitationen jeder Richtinie: “We hope that clinicians and researchers will find this guideline useful, but the recommendations included here do not obviate the need for clinical assessment and knowledge to ensure each individual patient receives appropriate and timely care.“…

Literatur

Metlay JP et al, Am J Respir Crit Care Med 2019; 200(7):e45–67

Verfasst von:
Lars C. Huber

Lars C. Huber ist Internist und Pneumologe. Als Kaderarzt war er im Spital Lachen und im UniversitätsSpital Zürich tätig. Heute leitet Lars C. Huber das Departement Innere Medizin im Stadtspital Waid & Triemli und ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Standort Triemli in Zürich.

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